
Work and Travel in Grossbritannien: Die Lage nach dem Brexit
Seit dem Brexit haben sich die Einreise- und Arbeitsbedingungen für deutsche Staatsbürger ins Vereinigte Königreich grundlegend verändert. Die Freizügigkeit gibt es nicht mehr. Für Work and Travel ist das Youth Mobility Scheme (YMS) die wichtigste Option.
Allerdings ist Deutschland aktüll kein teilnehmendes Land am Youth Mobility Scheme. Deutsche Staatsangehörige können derzeit kein YMS-Visum beantragen. Im Mai 2025 haben die EU und das Vereinigte Königreich jedoch vereinbart, ein gemeinsames Youth Mobility Scheme zu verhandeln.
Das Youth Mobility Scheme: Wie es funktioniert
Das YMS existiert bereits für andere Länder. Sobald Deutschland Teil wird, gelten voraussichtlich folgende Bedingungen:
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Altersgrenze | 18 bis 30 Jahre (möglicherweise bis 35) |
| Aufenthaltsdauer | Bis zu 2 Jahre |
| Visumkosten | Ca. 350 GBP |
| Immigration Health Surcharge | Ca. 776 GBP pro Jahr |
| Gesamtkosten (2 Jahre) | Ca. 1.900 GBP |
| Arbeitserlaubnis | Ja, fast alle Tätigkeiten erlaubt |
| Antragstellung | Online über UK Visas and Immigration |
Aktülle Alternativen für Deutsche
Auch ohne YMS-Visum gibt es Möglichkeiten:
- Touristenvisum: Bis zu 6 Monaten Aufenthalt, aber ohne Arbeitserlaubnis. Für Sprachkurse oder ehrenamtliche Tätigkeiten geeignet.
- Freiwilligenarbeit: Programme wie WWOOF oder Workaway bieten Unterkunft gegen Mithilfe. Dafür reicht die ETA für 10 GBP.
- Skilled Worker Visa: Erfordert ein konkretes Jobangebot bei einem lizenzierten Arbeitgeber.
- Student Visa: Für Studium oder Sprachkurs, erlaubt begrenzte Nebenjobs.
Arbeitsrecht und Mindestlohn im Vereinigten Königreich
Das britische Arbeitsrecht schützt auch ausländische Arbeitnehmer:
- National Living Wage (ab 21 Jahre): 12,21 GBP pro Stunde (Stand April 2025)
- National Minimum Wage (18 bis 20 Jahre): 10,00 GBP pro Stunde
- Wochenarbeitszeit: Maximal 48 Stunden
- Urlaubsanspruch: 28 Tage pro Jahr bei Vollzeit
Vor der Arbeit brauchst du eine National Insurance Number (NI-Nummer). Ohne sie wird ein höherer Notfallsteuersatz abgezogen.
Die besten Städte für Arbeit und Leben
- London: Meiste Jobs und höchste Löhne, aber auch höchste Lebenshaltungskosten. WG-Zimmer 700 bis 1.500 GBP.
- Manchester: Günstigere Mieten (400 bis 800 GBP), gute Jobs in Gastronomie und IT.
- Edinburgh: Kulturell unschlagbar, viele Gastronomiejobs, besonders beim Festival im August.
- Bristol: Kreative Stadt, Start-up-Szene, günstiger als London.
- Glasgow: Erschwingliche Lebenshaltungskosten, wachsende Kreativwirtschaft.
Jobs in Grossbritannien
- Gastronomie und Hospitality: Einfachster Einstieg. Hygienezertifikat (Level 2 Food Hygiene) für ca. 10 bis 20 GBP erhöht die Chancen.
- Retail: Supermarktketten stellen regelmässig befristete Kräfte ein.
- Landwirtschaft (saisonal): Beerenernte in Schottland und Ostengland.
- IT und Finance (London): Mit Qualifikationen gut bezahlte Temp-Jobs möglich.
Lebenshaltungskosten im Vereinigten Königreich
- Miete London: 700 bis 1.500 GBP für ein WG-Zimmer
- Miete ausserhalb Londons: 350 bis 700 GBP
- Lebensmittel: 200 bis 350 GBP bei Selbstversorgung
- Transport London: Ca. 150 GBP Oyster-Monatskarte
Als Faustregel: Ausserhalb Londons kannst du mit 1.200 bis 1.600 GBP monatlich leben. In London brauchst du 1.800 bis 2.500 GBP.
Bankkonto und Formalitäten
- Monzo und Revolut: Kontöröffnung per App ohne britische Adresse
- Wise: Multiwährungs-Konto als Überbrückung
- Traditionelle Banken: Brauchen UK-Adresse, dauern Wochen
Informiere dich auch über Ferienjobs im Ausland und das Auslandssemester.
Kulturelle Besonderheiten und Alltagstipps
Das Leben in Grossbritannien unterscheidet sich in einigen Punkten vom deutschen Alltag. Als Fussgänger musst du dich an den Linksverkehr gewöhnen. Viele Fussgängerwege in London haben Hinweise auf den Boden gemalt, in welche Richtung du schauen solltest. In Restaurants sind 10 bis 15 Prozent Trinkgeld üblich, im Pub an der Bar dagegen nicht. Manchmal wird ein Service Charge automatisch aufgeschlagen.
Briten legen grossen Wert auf Höflichkeit. Please, Thank you und Sorry gehören zum Standard. Der Pub ist mehr als eine Kneipe: Er ist sozialer Treffpunkt und oft der erste Ort, an dem du Einheimische kennenlernst. Smalltalk über das Wetter ist kein Klischee, sondern gelebte Praxis. Als YMS-Inhaber hast du über die Immigration Health Surcharge Zugang zum NHS (National Health Service). Registriere dich bei einem lokalen GP (Hausarzt) nach der Ankunft.
Sprachkenntnisse und Weiterbildung
Ein Aufenthalt in Grossbritannien ist eine hervorragende Gelegenheit, deine Englischkenntnisse zu verbessern. Im Alltag und am Arbeitsplatz lernst du umgangssprachliches Englisch, das in keinem Lehrbuch steht. Viele Work and Traveller berichten, dass sie nach einigen Monaten im UK deutlich sicherer in der englischen Sprache geworden sind, was sich langfristig positiv auf die Karriere auswirkt.
Wenn du deine Sprachkenntnisse gezielt verbessern möchtest, bieten viele Sprachschulen in London, Oxford oder Cambridge Kurse an, die du parallel zur Arbeit besuchen kannst. Auch kostenlose Konversationsgruppen (Meetups) gibt es in den meisten grösseren Städten. Nutze die Zeit in Grossbritannien, um nicht nur zu arbeiten, sondern auch in Kultur, Sprache und persönliche Entwicklung zu investieren. Diese Erfahrung wird dir bei späteren Bewerbungen und im Berufsleben zugutekommen.
Versicherungen und Gesundheitsversorgung
Bevor du nach Grossbritannien reist, solltest du folgende Versicherungen prüfen:
- Auslandskrankenversicherung: Trotz NHS-Zugang über die IHS empfiehlt sich eine zusätzliche Reisekrankenversicherung, die auch Rücktransport und Zahnbehandlung abdeckt.
- Haftpflichtversicherung: Deine deutsche Haftpflichtversicherung gilt in der Regel auch in Grossbritannien. Prüfe die Bedingungen vor der Abreise.
- Reisegepäckversicherung: Optional, aber sinnvoll bei teurem Equipment (Laptop, Kamera).
Die europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) gilt seit dem Brexit in Grossbritannien nicht mehr. Das bedeutet, dass du ohne IHS oder private Versicherung die vollen Behandlungskosten selbst tragen musst.
Budget und Finanzplanung für den UK-Aufenthalt
Eine gründliche Finanzplanung ist entscheidend für einen erfolgreichen Aufenthalt in Grossbritannien. Neben den Visumkosten (falls zutreffend) solltest du folgende Posten einplanen: Flug (100 bis 300 Euro je nach Buchungszeitpunkt), Startkapital für die ersten zwei Monate (3.000 bis 5.000 GBP), Mietkaution (in London oft sechs Wochen Miete im Voraus), und eine Auslandskrankenversicherung (ab 30 Euro pro Monat).
Ein Tipp zur Geldersparnis: Eröffne vor der Abreise ein Wise- oder Revolut-Konto mit britischer Kontonummer. So vermeidest du teure Wechselkursgebühren und kannst sofort nach Ankunft Geld in britischen Pfund empfangen und ausgeben. Die Kontöröffnung dauert nur wenige Minuten und ist kostenlos.
Unterkunftssuche in Grossbritannien
Die Unterkunftssuche ist in Grossbritannien, besonders in London, eine der grössten Herausforderungen. SpareRoom ist die beliebteste Plattform für WG-Zimmer. OpenRent und Rightmove sind für Wohnungen geeignet. In London solltest du mindestens zwei Wochen für die Suche einplanen und in dieser Zeit in einem Hostel oder Airbnb wohnen.
Ausserhalb Londons ist die Suche deutlich einfacher und günstiger. In Städten wie Manchester, Leeds oder Glasgow findest du WG-Zimmer oft innerhalb weniger Tage. Achte bei der Unterkunftssuche auf die Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln und deinem Arbeitsplatz. Die Pendelzeit kann in Grossbritannien erheblich sein, besonders in London, wo eine Stunde Pendelzeit pro Strecke keine Seltenheit ist.
Häufig gestellte Fragen zu Work and Travel im United Kingdom

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Häufige Fragen
Nein, Deutschland ist derzeit kein teilnehmendes Land am Youth Mobility Scheme. Die EU und UK verhandeln seit Mai 2025 über ein gemeinsames Programm, das voraussichtlich ab 2027 verfügbar sein könnte.
World of Xchange Redaktion
Experte für internationale Praktika, Studium im Ausland und Work and Travel.


