
Studieren in der Schweiz: Warum das kleine Land grosse Ambitionen erfüllt
Wenn du daran denkst, im Ausland zu studieren, denkst du vielleicht zunächst an die USA, Grossbritannien oder die Niederlande. Doch die Schweiz wird dabei oft unterschätzt – zu Unrecht. Kein anderes Land in Europa kann eine solche Dichte an Weltklasse-Universitäten auf so kleinem Raum vorweisen. Mit der ETH Zürich, der EPFL Lausanne und mehreren renommierten Kantonsuniversitäten hat die Schweiz einen festen Platz in den internationalen Hochschul-Rankings. Für deutschsprachige Studierende kommt ein entscheidender Vorteil hinzu: In den Deutschschweizer Universitäten läuft ein Grossteil des Studiums auf Deutsch ab, sodass du dich sprachlich nicht völlig neu orientieren musst.
Doch ein Studium in der Schweiz ist kein Selbstläufer. Die Zulassungsbedingungen sind anspruchsvoll, die Lebenshaltungskosten gehören zu den höchsten der Welt, und der Bewerbungsprozess folgt anderen Regeln als in Deutschland oder Österreich. Dieser Artikel gibt dir einen umfassenden Überblick über alles, was du wissen musst – von der Auswahl der richtigen Universität über die Bewerbungsschritte bis hin zu Stipendien und dem Alltag als ausländische Studierende oder ausländischer Studierender in der Schweiz.
Top-Universitäten der Schweiz im Überblick
Die Schweiz hat trotz ihrer geringen Grösse eine beeindruckende Universitätslandschaft. Die Hochschulen verteilen sich auf die vier Sprachregionen und bieten ein breites Fächerspektrum. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen den beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH Zürich und EPFL Lausanne), die vom Bund finanziert werden, und den kantonalen Universitäten, die von den jeweiligen Kantonen getragen werden.
- ETH Zürich (ETHZ): Gehört weltweit zu den besten Technischen Hochschulen und belegt in internationalen Rankings regelmässig Plätze unter den Top 10. Besondere Stärken liegen in Ingenieurwesen, Informatik, Mathematik, Naturwissenschaften und Architektur.
- EPFL Lausanne: Die Westschweizer Pendantuniversität zur ETH Zürich – ebenfalls eine Bundesinstitution. Weltklasse in Technik, Ingenieurwesen und Life Sciences. Lehrsprache ist überwiegend Französisch, viele Masterprogramme auch auf Englisch.
- Universität Zürich (UZH): Die grösste Universität der Schweiz mit rund 28.000 Studierenden. Breites Fächerangebot von Medizin über Wirtschaft bis zu den Geisteswissenschaften.
- Universität Bern: Besonders renommiert in Recht, Medizin und Sozialwissenschaften. Als Hochschulstadt der Bundeshauptstadt profitiert sie von einer einzigartigen Verbindung zur Bundespolitik.
- Universität Basel: Die älteste Universität der Schweiz (gegründet 1460) mit einer langen humanistischen Tradition. Stark in Pharmazie, Medizin und Geisteswissenschaften.
- Universität Genf (UNIGE): Internationale Ausrichtung durch die Nähe zu UNO, WHO und anderen internationalen Organisationen. Bedeutend für Rechtswissenschaften, internationale Beziehungen und Geisteswissenschaften.
- Universität St. Gallen (HSG): Eine der besten Wirtschaftsuniversitäten Europas. Stark in BWL, VWL, Recht und internationalen Angelegenheiten.
Studiengebühren und Kosten im Vergleich
Im direkten Vergleich mit angelsächsischen Ländern oder Privatuniversitäten sind die Studiengebühren an Schweizer Hochschulen moderat. Die ETH Zürich hat ab Herbst 2025 ein zweigliedriges Gebührenmodell: Studierende aus der Schweiz, Liechtenstein und EU-Bürger mit Schweizer Hochschulzugangsberechtigung zahlen 730 CHF pro Semester. Alle anderen internationalen Studierenden zahlen 2.190 CHF pro Semester.
| Universität | Semestergebühr (CHF) | Besondere Stärken | Lehrsprache |
|---|---|---|---|
| ETH Zürich | 730 (CH/EU) / 2.190 (Andere) | Technik, Informatik, Naturwiss. | Deutsch, Englisch |
| EPFL Lausanne | ca. 730 | Technik, Life Sciences | Französisch, Englisch |
| Universität Zürich | ca. 720–780 | Medizin, Wirtschaft, Recht | Deutsch |
| Universität Bern | ca. 850 | Recht, Medizin, Sozialwiss. | Deutsch |
| Universität Basel | ca. 850 | Pharmazie, Medizin | Deutsch |
| Universität Genf | ca. 500–600 | Internationale Beziehungen, Recht | Französisch |
| Universität St. Gallen | ca. 1.500 | Wirtschaft, Management | Deutsch, Englisch |
Die eigentliche finanzielle Herausforderung liegt nicht bei den Studiengebühren, sondern bei den Lebenshaltungskosten. Zürich und Genf zählen zu den teuersten Städten der Welt. Ein WG-Zimmer in Zürich kostet im Durchschnitt deutlich über 1.000 CHF im Monat.
Lebenshaltungskosten: Was du wirklich brauchst
Ein realistisches monatliches Budget für Studierende in Zürich liegt zwischen 2.200 und 3.200 CHF. In günstigeren Städten wie Bern oder Basel ist das Leben etwas erschwinglicher, doch auch dort liegen die Kosten klar über dem westeuropäischen Durchschnitt.
- Unterkunft: WG-Zimmer ab 900 CHF, Einzelappartement ab 1.700 CHF; Studentenwohnheime oft günstiger, aber stark nachgefragt
- Lebensmittel und Haushalt: 400–600 CHF pro Monat; ein günstiges Mittagessen im Restaurant kostet schon 25–30 CHF
- Öffentlicher Nahverkehr: Monatskarte im Stadtgebiet ca. 88 CHF; Halbtax-Abo (50 % Rabatt) lohnt sich ab ca. 185 CHF pro Jahr
- Krankenkasse: Obligatorisch in der Schweiz – Grundversicherung kostet 300–500 CHF pro Monat; als Student gibt es Prämienverbilligungen
- Internet und Handy: ca. 50–80 CHF pro Monat
- Freizeit, Kultur und Sport: Studentenrabatte sind weit verbreitet; ca. 100–200 CHF einplanen
Um Kosten zu sparen, nutzen viele Studierende Coop und Migros statt teurer Spezialgeschäfte, fahren gelegentlich zum Grosseinkauf über die Grenze nach Deutschland oder kaufen im städtischen Second-Hand-Shop. Die Hochschulmensen bieten günstige Mahlzeiten ab 8–12 CHF mit Studentenausweis.
Zulassung und Bewerbung: Schritt für Schritt zur ETH Zürich
Die ETH Zürich ist die international bekannteste Schweizer Hochschule mit entsprechend hohen Zulassungsanforderungen. Für deutschsprachige Bewerber aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz gibt es eine direkte Zulassungsschiene auf Basis des Abiturs. Für Medizin gelten strenge Beschränkungen und teils Eignungsprüfungen.
- Studiengang wählen und Zulassungsvoraussetzungen prüfen: Besuche die offizielle ETH-Website und prüfe, welche Eingangsvoraussetzungen für dein Wunschstudium gelten.
- Zeugnisse und Dokumente zusammenstellen: Du benötigst dein Abiturzeugnis (beglaubigte Kopie + Übersetzung falls nötig), Personalausweis, Motivationsschreiben und ggf. Empfehlungsschreiben.
- Online-Bewerbung einreichen: Die Bewerbung für das Herbstsemester (Start September/Oktober) muss in der Regel bis Ende April eingereicht werden.
- Eventuelle Aufnahmeprüfung ablegen: Wer bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllt, muss an der ETH-Eignungsprüfung teilnehmen (findet in der Regel im März statt).
- Zulassungsbescheid abwarten: Die ETH informiert in der Regel bis Ende Juni/Anfang Juli für das Herbstsemester.
- Immatrikulation und Einschreibung: Nach Erhalt der Zulassung innerhalb der Frist einschreiben und erste Semestergebühr bezahlen. Gleichzeitig Wohnungssuche starten.
- Aufenthaltsbewilligung klären: EU-Bürger dürfen bis zu drei Monate ohne Formalitäten in der Schweiz leben, müssen sich aber bei längerem Aufenthalt bei der Gemeinde anmelden.
Sprachen: Auf Deutsch, Französisch oder Englisch studieren
Die Schweiz hat vier Landessprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. In der Deutschschweiz (Zürich, Bern, Basel, St. Gallen) wird auf Deutsch gelehrt, in der Romandie (Genf, Lausanne) auf Französisch. Für deutschsprachige Studierende bietet die Deutschschweiz eine ideale Ausgangslage ohne nennenswerte Sprachbarriere im Studienalltag.
Im Alltag sprechen die Einheimischen Schweizerdeutsch in diversen Dialekten. Das Verstehen erfordert etwas Eingewöhnungszeit, entwickelt sich aber nach wenigen Wochen von selbst. Viele Masterstudiengänge werden mittlerweile auf Englisch angeboten – dafür benötigst du in der Regel einen IELTS-Nachweis ab 7.0 oder TOEFL iBT ab 100.
Planst du ein Auslandssemester an einer Westschweizer Universität? Dann solltest du vorher ein solides Französisch-Niveau aufbauen. Die EPFL oder die Universität Genf kann dein Sprachprofil erheblich stärken.
Stipendien und Finanzierungsmöglichkeiten
Angesichts der hohen Lebenshaltungskosten ist die Frage der Finanzierung entscheidend. Es gibt eine Reihe von Förderinstrumenten von Schweizer, deutscher und EU-Seite:
- Eidgenössische Exzellenzstipendien: Richten sich primär an Postgraduierte und Forschende aus über 180 Ländern. Bewerbungen laufen über die Schweizer Botschaften im Heimatland.
- ETH ESOP-Stipendium: Das Excellence Scholarship & Opportunity Programme für exzellente Masterstudierende – deckt Studiengebühren und Lebenshaltungskosten ab.
- DAAD-Stipendien: Der Deutsche Akademische Austauschdienst fördert Auslandsaufenthalte in der Schweiz über verschiedene Programme.
- Auslands-BAföG: Als deutsche Staatsbürgerin oder Staatsbürger kannst du für ein vollständiges Studium in der Schweiz unter bestimmten Voraussetzungen Auslands-BAföG beantragen.
- Kantonale Stipendien: In manchen Kantonen können ausländische Studierende kantonale Ausbildungsbeiträge beantragen – geknüpft an festen Wohnsitz im Kanton.
- Private Stiftungen: Recherchiere in Datenbanken wie dem Stipendienlotsen oder dem Stifterverband.
Als EU-Bürger darfst du in der Schweiz bis zu 15 Stunden pro Woche arbeiten ohne spezielle Arbeitsbewilligung. Die Stundenlöhne sind verglichen mit Deutschland deutlich höher – häufig 20–30 CHF für ungelernte Tätigkeiten. Wenn du dich für verschiedene Praktikumsformen im Ausland interessierst, findest du dort weitere hilfreiche Informationen.
Studienalltag und Leben in der Schweiz
Abseits von Gebühren und Zulassung ist der Studienalltag in der Schweiz für viele eine bereichernde Erfahrung. Die Hochschulen sind modern ausgestattet, die Bibliotheken gut bestückt, und die Campusatmosphäre ist international – an der ETH Zürich kommen über 40 % der Studierenden aus dem Ausland.
Zürich ist eine lebendige, weltoffene Stadt mit reichem Kulturangebot: Museen, Theater, Konzerthäuser und eine aktive Street-Food-Szene. In weniger als einer Stunde bist du mit dem Zug in den Alpen. Die öffentliche Infrastruktur ist exzellent, das Bahnnetz eines der dichtesten und pünktlichsten der Welt.
Die Schweizer sind bekannt für ihre Zurückhaltung beim ersten Kontakt. Hochschulgruppen, Sportangebote und studentische Organisationen sind die wichtigsten sozialen Einstiegspunkte. Grosskonzerne wie Roche, Novartis, UBS, ABB und Nestlé haben ihren Sitz in der Schweiz und rekrutieren aktiv an den Hochschulen. Absolventen der ETH Zürich oder der Universität St. Gallen sind auf dem internationalen Arbeitsmarkt hochgradig angesehen.

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Häufige Fragen
Ja, in der Regel ist eine direkte Zulassung auf Basis des deutschen Abiturs möglich, sofern du das Abitur mit einem Schnitt von 4,5 (entspricht ca. Note 2,5) oder besser abgeschlossen hast und die fachspezifischen Voraussetzungen erfüllst. Für bestimmte Studiengänge oder wenn Mindestanforderungen nicht erfüllt werden, kann eine Eignungsprüfung erforderlich sein.
World of Xchange Redaktion
Experte für internationale Praktika, Studium im Ausland und Work and Travel.


