
Pflichtpraktikum: Wenn die Uni oder Schule es vorschreibt
Das Pflichtpraktikum ist in der Studien- oder Ausbildungsordnung festgeschrieben und muss absolviert werden, um einen Abschluss zu erhalten. Der Zeitraum ist klar definiert, das Unternehmen weiss, was es erwartet, und du wirst als Pflichtpraktikant nicht dem Mindestlohngesetz unterstellt.
Dauer: Je nach Studiengang zwischen 8 Wochen und 6 Monaten. Ingenieur- und Wirtschaftsstudiengänge fordern oft ein Vorpraktikum plus ein Praxissemester. Lehramtsstudierende absolvieren häufig mehrere Schulpraktika im Laufe des Studiums.
Vergütung: Kein gesetzlicher Anspruch auf Mindestlohn, aber viele Unternehmen zahlen freiwillig eine Aufwandsentschädigung zwischen 300 und 800 Euro monatlich.
Typische Branchen: Ingenieurwesen, BWL, Soziale Arbeit, Lehramt, Medizin, Architektur.
Freiwilliges Praktikum: Aus eigener Initiative
Das freiwillige Praktikum organisierst du selbst und es ist nicht durch eine Ausbildungs- oder Studienordnung vorgeschrieben. Es gibt zwei wichtige Varianten:
- Orientierungspraktikum: Vor dem Studium oder der Ausbildung (bis zu 3 Monate, kein Mindestlohn). Ideal, um herauszufinden, ob ein Berufsfeld zu dir passt.
- Studienbegleitendes freiwilliges Praktikum: Ebenfalls bis zu 3 Monate ohne Mindestlohnpflicht, danach gilt der gesetzliche Mindestlohn.
Dauer: Flexibel – von wenigen Wochen bis zu 6 Monaten. Ab dem 93. Tag eines freiwilligen Praktikums greift der gesetzliche Mindestlohn (13,90 Euro/Stunde ab 2026).
Vergütung: Bis 3 Monate kein gesetzlicher Anspruch, danach Mindestlohn. Viele Tech-Unternehmen, Unternehmensberatungen und Medienhäuser zahlen deutlich darüber.
Typische Branchen: Marketing, IT, Medien, NGOs, Startups, Consulting.
Auslandspraktikum: Berufserfahrung plus Horizont
Ein Auslandspraktikum ist kein eigener Praktikumstyp im rechtlichen Sinne, sondern eine geografische Variante des Pflicht- oder freiwilligen Praktikums. Im Ausland gilt deutsches Arbeitsrecht nicht – es gelten die Gesetze des Gastlandes. Zusätzlich kommen praktische Fragen hinzu: Visum, Krankenversicherung, Unterkunft, Währung.
Dauer: Typischerweise 3 bis 6 Monate. Erasmus+-Förderung ermöglicht Aufenthalte von 2 bis 12 Monaten innerhalb Europas.
Vergütung: Stark abhängig vom Land. In Grossbritannien, Nordamerika und der Schweiz sind bezahlte Praktika die Regel. In Südeuropa und vielen Entwicklungsländern häufig unbezahlt.
Förderung: Erasmus+ zahlt monatliche Züschüsse (je nach Zielland 310 bis 700 Euro), DAAD und viele Hochschulen haben eigene Stipendien.
Typische Länder: Spanien, UK, USA, Frankreich, Australien, Kanada, Niederlande.
Schulpraktikum und Betriebspraktikum
Das Schulpraktikum – auch Betriebspraktikum genannt – ist für Schülerinnen und Schüler meist in Klasse 8 bis 10 verpflichtend vorgesehen. Es dauert in der Regel 1 bis 3 Wochen und hat einen stark orientierenden Charakter: Hier geht es nicht darum, schon produktiv zu arbeiten, sondern einen Beruf von innen zu erleben.
Rechtliche Stellung: Schüler gelten nicht als Arbeitnehmer, sondern als Lernende. Es gibt weder Mindestlohn noch Urlaubsanspruch. Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) gilt trotzdem – Arbeitszeiten sind begrenzt.
Typische Branchen: Handwerk, Einzelhandel, Büro, Gesundheitswesen, Gastronomie – je nach Berufswunsch des Schülers.
Vorpraktikum und Praxissemester
Das Vorpraktikum findet vor Beginn des Studiums statt und wird von manchen Hochschulen als Zulassungsvoraussetzung verlangt. Typisch für technische und ingenieurwissenschaftliche Studiengänge: Vor der Immatrikulation sind oft 8 bis 12 Wochen praktische Arbeit nachzuweisen.
Das Praxissemester ist ein vollständiges Semester, das im Unternehmen absolviert wird – meist im dritten oder vierten Studienjahr an Fachhochschulen und dualen Hochschulen. Es dauert typischerweise 4 bis 6 Monate. Studierende übernehmen eigenständige Projekte und arbeiten wie reguläre Mitarbeiter mit.
Vergütung Praxissemester: Da es sich um ein Pflichtpraktikum handelt, gilt kein Mindestlohn. In der Praxis zahlen viele Unternehmen dennoch 600 bis 1.200 Euro monatlich.
EQ-Praktikum (Einstiegsqualifizierung)
Die Einstiegsqualifizierung (EQ) ist ein staatlich gefördertes Langzeitpraktikum für Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben oder besondere Unterstützung beim Berufseinstieg benötigen. Es ist eine Brücke zwischen Schule und Ausbildung.
Dauer: 6 bis 12 Monate.
Vergütung: Die Bundesagentur für Arbeit bezuschusst die Vergütung. Jugendliche erhalten häufig 200 bis 450 Euro monatlich. Sozialversicherungsbeiträge werden vom Unternehmen übernommen.
Anrechnung: Eine EQ kann auf eine anschliessende Ausbildung angerechnet werden – die Ausbildungszeit verkürzt sich um bis zu 6 Monate.
Zielgruppe: Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz, lernbeeinträchtigte Jugendliche, junge Menschen mit Migrationshintergrund.
Typische Branchen: Handwerk, Einzelhandel, Gastronomie, Industrie, Pflege.
Alle Praktikumsarten im Vergleich
| Art | Typische Dauer | Mindestlohn | Zielgruppe | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Pflichtpraktikum (Studium) | 8 Wochen – 6 Monate | Nein | Studierende | In Studienordnung vorgeschrieben |
| Freiwilliges Praktikum bis 3 Monate | bis 3 Monate | Nein | Schüler, Studierende, Absolventen | Orientierung und Berufserfahrung |
| Freiwilliges Praktikum ab 3 Monate | ab 3 Monate | Ja (13,90 EUR/Std.) | Studierende, Absolventen | Mindestlohn ab Tag 93 |
| Schulpraktikum / Betriebspraktikum | 1-3 Wochen | Nein | Schüler | Berufsorientierung |
| Vorpraktikum | 8-12 Wochen | Nein | Studienbewerber | Zulassungsvoraussetzung |
| Praxissemester | 4-6 Monate | Nein (Pflichtpraktikum) | FH-Studierende | Vollständiges Studiensemester |
| EQ-Praktikum | 6-12 Monate | Nein (staatlich gefördert) | Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz | Auf Ausbildung anrechenbar |
| Auslandspraktikum | 3-6 Monate | Landesrecht des Gastlandes | Studierende, Absolventen | Erasmus+-Förderung möglich |
Das richtige Praktikum finden: Worauf es wirklich ankommt
Bei der Wahl des Praktikums solltest du nicht nur auf den Klang des Unternehmensnamens schauen. Relevanter sind:
- Aufgabenbereich: Wirst du echte Projekte übernehmen oder nur Kaffee kochen und Kopieren?
- Betreuung: Gibt es einen festen Ansprechpartner, der dir Feedback gibt?
- Vergütung: Stimmt die Vergütung mit dem gesetzlichen Rahmen überein?
- Lernpotenzial: Kannst du Fähigkeiten aufbauen, die deinen Lebenslauf stärken?
- Branchenbezug: Passt das Unternehmen zu deinen mittelfristigen Karrierezielen?
Nützliche Plattformen für die Suche: Praktikum.com, Indeed, LinkedIn, AIESEC (für internationale Praktika), Erasmus+ Datenbank und die Jobbörsen der jeweiligen Hochschulen. Wenn du dich für die Bewerbung vorbereiten möchtest, hilft dir unser Artikel über die Bewerbung für ein Praktikum weiter.
Schritt für Schritt zum richtigen Praktikum
Die Suche nach dem passenden Praktikum erfordert Strategie und Planung. So gehst du am besten vor:
- Selbstanalyse: Was interessiert dich? Welche Branche, welche Aufgaben? Schreibe dir drei bis fünf Bereiche auf, die dich ansprechen.
- Recherche: Durchsuche Jobbörsen (Indeed, LinkedIn, Praktikum.com), Hochschul-Karriereportale und Unternehmenswebseiten nach passenden Stellen.
- Bewerbung vorbereiten: Erstelle einen aktüllen Lebenslauf und ein individülles Anschreiben. Für Auslandspraktika: auf Englisch oder in der Landessprache.
- Bewerbung senden: Beachte Fristen – viele Grossunternehmen haben Bewerbungsschluss 3-6 Monate vor Praktikumsbeginn.
- Vorstellungsgespräch: Bereite dich auf Fragen zu deiner Motivation, deinen Stärken und dem Unternehmen vor.
- Vertrag prüfen: Vor dem Start den Praktikumsvertrag sorgfältig lesen und auf die Pflichtinhalte achten.
- Praktikum absolvieren: Zeige Eigeninitiative, stelle Fragen und sammle Feedback. Dokumentiere deine Aufgaben für den Praktikumsbericht.
- Nachbereitung: Bitte um ein Praktikumszeugnis und reflektiere deine Erfahrungen. Was hast du gelernt? Was würdest du anders machen?
Häufige Fehler bei der Praktikumswahl
Auch bei Praktika gibt es typische Fallstricke, die du vermeiden solltest:
- Nur auf den Firmennamen schauen: Ein grosser Name garantiert kein gutes Praktikum. Achte auf konkrete Aufgaben und Betreuung.
- Zu viele oder zu wenige Praktika machen: Ein bis zwei relevante Praktika sind ideal. Mehr als drei wirken auf Arbeitgeber eher wie Orientierungslosigkeit.
- Vergütung ignorieren: Prüfe, ob du Anspruch auf Mindestlohn hast (ab 13,90 EUR/Stunde bei freiwilligen Praktika über 3 Monate).
- Keinen Vertrag abschliessen: Bestehe immer auf einem schriftlichen Vertrag – auch bei kurzen Praktika.
- Kein Feedback einholen: Nutze regelmässige Feedbackgespräche, um dich zu verbessern und die Zusammenarbeit zu optimieren.

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Häufige Fragen
Ein Pflichtpraktikum ist Teil deines Studiums oder deiner Ausbildung und vorgeschrieben. Ein freiwilliges Praktikum machst du aus eigener Initiative. Der wichtigste praktische Unterschied: Beim Pflichtpraktikum gilt kein Mindestlohn, beim freiwilligen ab dem 93. Tag schon.
World of Xchange Redaktion
Experte für internationale Praktika, Studium im Ausland und Work and Travel.


