Studieren in Frankreich

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Studieren in Frankreich genießt seit dem Mittelalter einen europaweit besonderen Ruf. Schließlich reicht die Geschichte der Universität Paris bis ins 13. Jahrhundert zurück. Bis heute tragen Mode und Kultur zum internationalen Ruf des Studiums in Frankreich bei, aber auch europarelevante Fächer wie Politik oder Jura.

Darüber hinaus profitieren Sie während Ihres Frankreich-Studiums von der vielfältigen Bildungslandschaft unserer westlichen Nachbarn. Wie Sie zwischen privaten und staatlichen Hochschulen, Grandes Écoles und Instituts Universitaires das richtige Studienangebot für sich finden, und was Sie dabei erwartet, lesen Sie hier.

Studiensystem in Frankreich

Das Studium in Frankreich ist vielerlei Hinsicht mit dem in Deutschland zu vergleichen: Die französische Universität ähnelt in Grundaufbau und Organisation der deutschen. Lehre und Forschung an den französischen Unis stehen den hiesigen in nichts nach, es gibt volle Seminarräume und Uni-Bibliotheken und in der Regel gibt es drei Fachbereiche:

  • Wirtschaft (incl. Recht, Politik und Verwaltung)
  • Geisteswissenschaften (incl. Sozialwissenschaften)
  • Natur- und Ingenieurwissenschaften (incl. Sport, Medizin, Informatik)

Auch die Kosten sind ungefähr die gleichen: Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern sind die Studiengebühren in Frankreich mit rund 180 bis 250 Euro pro Jahr auch noch überaus moderat (vergleichbar mit den Semesterbeiträgen in Deutschland). Und doch ist das Studiensystem in Frankreich ein ganz spezielles:

Besonderheiten des Studiums in Frankreich

So haben die Franzosen keinen Semesterbetrieb, sondern Studienjahre. Ein Studienjahr geht von September bis Juni, dementprechend ist eine Immatrikulation auch nur zum Anfang eines Studienjahres möglich. Dazu stehen eine Reihe unterschiedliche Institutionen zur Verfügung.

Es gibt Universitäten und Fachhochschul-ähnliche Einrichtungen (mit jeweils unterschiedlicher Ausrichtung). Anstelle des Bachelors erwirbt man bei unseren linksrheinischen Nachbarn nach den ersten drei Jahren die “Licence” (“Baccalaureat” ist das französische Abitur), es folgt ein zweijähriges Master-Studium und schließlich das Doctorat (Promotion).

Allerdings werden die akademischen Titel in Frankreich noch weiter ausdifferenziert. So unterscheidet man dort:

  • Licence Professionnelle: Praxisorientierter Bachelor (ähnlich der dt. Ausbildung)
  • Master Recherche: Master mit Schwerpunkt Theorie (berechtigt zur Promotion)
  • Master Professionnel: Master mit Schwerpunkt Praxis
  • Diplome d’Etat: Hauptsächlich in Medizin und Architektur (entspr. Staatsexamen)

Grande École

Außerdem “leistet” sich Frankreich neben den regulären Universitäten und Fachhochschulen auch ihre Grandes Écoles. Dabei handelt es sich um Hochschulen für die französische Elite aus Wirtschaft und Politik, Verwaltung und Ingenieurwesen.

Wer dazu gehören will, muss schwierige Tests bestehen (die “Concours”). Außerdem sollte er bereit sein, dafür Studiengebühren zwischen 800 bis 5.000 Euro pro Jahr zu zahlen (an den privat betriebenen Business Schools in Frankreich auch schon mal bis zu 15.000 Euro).

Da wirklich nur wenige Überflieger die Aufnahmeprüfung im ersten Anlauf schaffen, belegen viele potenzielle Bewerber zuvor einen ein- bis zweijährigen Vorbereitungskurs (“Classes Preparatoires”).

Hinweis: Einige Privat-Institute nennen sich ebenfalls “Grande École”. Die Titel, die sie vergeben, haben aber faktisch keinen Wert. Leider mangelt es derzeit an einer verbindlichen Liste anerkannter Institute. Aufschluss geben hier die alljährlichen Rankings renommierter Grande Écoles.

Deutsch-Französische Hochschule (DFH)

Daneben gibt es noch die Deutsch-Französische Hochschule. Dabei handelt es sich um einen Verbund von mehr als 150 Hochschulen beider Nationen, mit Sprachkursen und integrativen Studienprogrammen.

Dabei können deutsche Bachelor-Anwärter, die bis zu drei Semestern an einer französischen Partnerhochschule verbringen, nicht nur zwei Abschlüsse bekommen, sondern obendrein noch eine monatliche Finanzspritze von bis zu 270 Euro.

Prüfungen und Frontalunterricht

Wenn Sie sich in Frankreich um ein Studium bewerben, werden Sie eines nicht antreffen: Einen Numerus Clausus –  und zwar selbst bei woanders zulassungsbeschränkten Fächern wie Medizin nicht.

Stattdessen setzt man in Frankreich auf umso härtere Tests, den in den Regel nur 5 Prozent der Bewerber im ersten Anlauf bestehen. Alle anderen bekommen in den beiden Folgejahren ihre Chancen.

Haben Sie es dann ins Studium geschafft, wird Ihnen etwas anderes ungewohnt erscheinen: Referate und Semesterarbeiten sind während des Studiums in Frankreich eher selten. Stattdessen praktizieren die Franzosen vor allem traditionell-schulmäßigen Unterricht und Klausuren.

Punktesystem im Studium in Frankreich

Um diese Arbeiten zu benoten, gibt es in Frankreich ein 20-Punkte-System – von 20 (“sehr gut”) bis 0 (“ungenügend”). Tatsächlich werden aber diese Extremwerte nur äußerst selten vergeben. Realistischer sind Punkte zwischen 18 (“bestanden”) und 9 (“durchgefallen”).

Bewerben in Frankreich

Wenn Sie sich um ein Studium in Frankreich bewerben wollen, richten Sie Ihren Antrag direkt an die betreffende Hochschule. Dennoch gibt es auch hier wiederum Ausnahmen:

Admission PostBac

Für einige Studiengänge, -orte und Fakultäten wiederum ist die Admission PostBac zuständig; eine Art französische ZVS. An sie wenden Sie sich immer dann, wenn Sie

  • Medizin (Human-, Zahn-), Pharmazie
  • in Paris
  • an einer Grande École,
  • Fachhochschulen oder
  • sonstigen Hochschule

studieren wollen.

Art und Umfang der geforderten Unterlagen hängen prinzipiell von der Einrichtung, dem Fach und dem Studien-Niveau ab. Bei Gast- und Austausch-Studierenden wird die Messlatte außerdem nicht so hoch angesetzt wie zum Beispiel an Bewerber an einer Grande École. Als Mindestvoraussetzung sollten dem Antragsformular beiliegen:

  • Geburtsurkunde
  • Zeugnis-Kopien: Abitur, Examen, Zwischenprüfung (übersetzt und beglaubigt)
  • Sprachkenntnisse: Zertifikate gem. GER (z.B. DELF, DALF) oder Französisch-LK

Ein Sprachzertifikat können Sie entweder an einer Sprachschule erwerben oder direkt an der Hochschule in Frankreich. Auch Fachabiturienten können in Frankreich einen Licence-Abschluss erwerben, müssen aber vorab häufig eine zusätzlich Eignungsprüfung absolvieren (“Diplôme d’accès aux études universitaires”, kurz: DAEU).

Master-Studium in Frankreich

Wer auf Master-Niveau ins Studium einsteigen will, muss zuweilen eine Bewerbungsmappe einreichen und zusätzliche Bewerbungsgespräche bestehen. Die Regel sind aber Bewerbungen mit Zeugnissen und Nachweis der Sprachkenntnisse.

Die in Frankreich übliche Ausdifferenzierung (“Master Recherche” / “Master Professionel”) findet erst im zweiten Master-Studienjahr statt. Hierfür müssen Sie sich erneut an Ihrer Hochschule bewerben.

Bewerbungsfristen zum Studium in Frankreich

Die Bewerbungsfristen hängen von der jeweiligen Hochschule ab, laufen aber in der von April bis Ende Juli (selten: bis September). Die Admission PostBac nimmt Bewerbung zwischen Mitte Januar bis Mitte März an.

Übrigens: Die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen sollte wegen der regen deutsch-französischen Kooperationen kaum ein Problem darstellen. Dennoch gibt es Ausnahmen. Jura z.B., das sich in der Regel auf den national spezifischen Rechtsraum bezieht.

Kosten und Finanzierung eines Frankreich-Studiums

Solange Sie nicht unbedingt in der geradezu sündhaft teure Weltstadt Paris studieren wollen, sind Miete und Lebenshaltungskosten in Frankreich durchaus mit den deutschen vergleichbar. Daher unser Tippp: Auch in der französischen “Provinz” bekommen Sie ein qualitativ hochwertiges Studium bei annehmbaren Lebensstandards.

Das Dach über dem Kopf finanzieren sich Studierende in Frankreich (im Gegensatz zu ihren deutschen Kommilitonen) zu etwa einem Drittel durch Wohngeld (Voraussetzung: sie wohnen nicht zur Untermiete). Dafür zuständig ist die Familienkasse (“Caisse d’Allocation Familiale”, kurz: CAF).

Außerdem bekommen Sie für rund 200 Euro jährlich ein günstiges Versicherungspaket für Studenten (inclusive Haftpflicht und Krankenversicherung). Doch darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Quellen und Finanzierungsmöglichkeiten für ein Studium in Frankreich:

Bücherempfehlungen für ein Studium in Frankreich

Studieren in Frankreich und Deutschland: Akademische Lehr- und Lernkulturen im Vergleich
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  • Béatrice Durand, Stefanie Neubert, Dorothee Röseberg, Virginie Viallon
  • Herausgeber: Avinus-Verlag
  • Auflage Nr. 1 (01.09.2006)
  • Taschenbuch: 112 Seiten
Studium, Praktika und Jobs in Frankreich
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  • Dagmar Giersberg
  • Herausgeber: Tia
  • Taschenbuch: 335 Seiten
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  • Christina Klein
  • Herausgeber: Interna Aktuell
  • Auflage Nr. 1 (31.05.2006)
  • Taschenbuch: 42 Seiten

Letzte Aktualisierung am 20.07.2017 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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