Studieren in Kanada

Die USA sind nicht Amerika – das werden Sie ganz schnell merken, wenn Sie zum Studieren nach Kanada kommen. Denn obwohl die kanadischen Hochschulen ähnlich organisiert sind, so ist das Leben im “großen weißen Norden” wegen der speziellen Geschichte des Staates zweifelsfrei europäisch geprägt.

Wie in den USA gibt es in Kanada keine übergeordnete bildungspolitische Stelle. Stattdessen regeln die Provinzregierungen bzw. Territorien, und natürlich die Hochschulen in Kanada, selbständig ihre Angelegenheiten.

Studiensystem Kanada

Daher gibt es auch keine einheitlichen Bestimmungen über Studiengebühren, Zulassungsvoraussetzungen oder Studienprogramme. Trotzdem hoffen wir, ein wenig Licht ins Dunkel bringen zu können:

In Kanada haben Sie die Wahl zwischen 98 Hochschulen – 77 englischsprachige, 15 französischsprachige und zwei bilinguale. Außerdem hat Kanada rund 200 Community Colleges. Damit ist es sogar für Absolventen der deutschen Realschule möglich, einen akademischen Abschluss zu absolvieren (sogar in derselben Zeit wie ihre Kommilitonen mit Abitur).

Dadurch bieten sich Ihnen hier sämtliche Studienmöglichkeiten: vom Undergraduate-Studium über den Master-Abschluss bis hin zum Doktor (PhD), häufig sogar an universitätseigenen Forschungseinrichtungen.

In der Regel umfasst das Undergraduate-Studium drei bis vier Jahre und endet mit dem akademischen Bachelor-Titel. Wer danach nicht direkt ins Berufsleben startet, kann sein Fachwissen in den kommenden ein bis zwei Jahren im Rahmen eines Graduate-Studiums vertiefen.

Anschließend können sie natürlich auch noch promovieren; für eine Doctorate-Programm benötigen sie das Master-Examen oder (infolge herausragender Leistungen im Graduate-Level) einen erweiterten Bachelor (“Bachelor of Honours”).

Allerdings gibt es keine allgemeingültigen Regelungen zu gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen. Daher sollten Sie sich vor Ihrem Auslandsaufenthalt beim zuständigen Prüfungsamt über die “richtigen” Kurse. Auch können akademische Titel aus Kanada zwar als Namenszusatz in Deutschland weitergeführt, aber nicht als gleichwertig umgewandelt werden.

Dazu sind ist das deutsche und das kanadische Studiensystem doch zu unterschiedlich.

Bewerbung um ein Studium in Kanada

Um in Kanada zu einem Undergraduate-Studium  zugelassen zu werden, benötigen Sie in der Regel Abitur oder Fachabitur vorweisen können. Als Bewerber um ein Graduate-Studium sollten Sie je nach Universität die deutsche Zwischenprüfung bzw. das Vordiplom.

Ob das deutsche Examen als Bachelor oder Master in Kanada anerkannt wird, hängt letzten Endes von der Universität ab, bei der Sie sich bewerben. Neben dem Zeugnis und dem Bewerbungsformular der Hochschule werden noch weitere Leistungsnachweise nötig, z.B.

  • Sprachtests (TOEFL, IELTS, ESOL)
  • fachliche Eignungstests (GRE, GMAT)
  • Empfehlungsschreiben,
  • Nachweis über ausreichende Geldmittel,
  • das Anschreiben,
  • Aufsätze und
  • ggf. persönliche Interviews.

Als international Studierender können Sie keinen Abschluss in Kanada machen. Daher wird dem Antrag in der Regel stattgegeben, sofern die formalen Voraussetzungen vorliegen. Doch der bürokratische Aufwand um ein Studium in Kanada ist nicht zu unterschätzen.

Senden Sie daher Ihre Bewerbung möglichst drei Semester vor dem geplanten Auslandsaufenthalt an die kanadische Hochschule. Anschließend entscheidet die örtliche Zulassungsstelle (Admissions Office) über ihren Antrag.

Kosten & Finanzierung eines Studiums in Kanada

Sicher liegen die Studiengebühren in Kanada im Allgemeinen unter denen der USA; dennoch müssen Sie immernoch rund 6.000 bis 10.000 kanadische Dollar (ca. 4.400 bis 7.400 Euro) für ein Studienjahr aufbringen. Günstiger wird es, wenn Sie eine der Fördermöglichkeiten für international Studierende nutzen.

So zahlen Studierende, die an einem Austauschprogramm teilnehmen, genauso viel Studiengebühren wie ihre kanadischen Kommilitonen (anstelle des höheren Satzes für Gast-Studenten).

Wer bis zu zwei Semestern in Kanada verbringt, kann beispielsweise Auslands-BAföG nutzen. Die Einkommensgrenzen sind dabei im Allgemeinen höher als beim Inlands-BAföG. Daher können häufig auch Studierende davon profitieren, die bisher nicht für die BAföG-Förderung in Frage kamen.

Damit lässt sich ein Teil von Reisekosten und Studiengebühren, Krankenversicherung und Lebenshaltungskosten in Kanada decken. Erkundigen Sie sich ggf. nach Bildungskrediten des Bundes oder informieren Sie sich über Stipendien für Auslandsstudierende (z.B. in der Stipendiendatenbank des DAAD).

Auch kanadische Unis und Stiftungen loben Fördergelder aus oder bieten Assistenzstellen an. So lassen sich weitere Geld zur Finanzierung des Studiums in Kanada generieren.

Visum

Solange Sie kürzer als ein halbes Jahr in Kanada studieren wollen (z.B. für ein Auslandssemester oder eine Summer Session), benötigen Sie lediglich ein Touristenvisum für Kanada. Wenn Sie einen längeren Studienaufenthalt planen, müssen Sie eine “Study Permit” beantragen. Diese Erlaubnis gibt es gegen eine Bearbeitungsgebühr von 125 CAD bei der kanadischen Botschaft. Dem Antrag sollte außerdem beiliegen:

  • das Antragsformulars
  • zweineuer Passfotos
  • der Zahlungsbeleg über die Gebühr
  • die Zulassungsbestätigung der Hochschule
  • der Nachweis über ausreichende Finanzen
  • ggf. die Aufenthaltserlaubnis der Provinzbehörde
  • ggf. das Gesundheitszeugnis
  • das polizeiliche Führungszeugnisses