Entwicklungshilfe leisten

Machen Sie die Welt ein bisschen besser

Dazu beizutragen, unsere Welt jeden Tag ein Stück besser zu machen – viele sind es leid, nur den eigenen Gewinn und die persönlichen Vorteile im Blick zu haben. Bedarf gibt es genug. Zahlreiche Länder der Erde sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Und so ist es für den ein oder anderen ein interessanter Gedanke, sich im Bereich der Entwicklungshilfe für andere einzusetzen und dabei zu helfen, Dritt-Welt-Ländern die Voraussetzung für eine bessere Zukunft zu geben.

Was macht ein Entwicklungshelfer?

Vorweg: Entwicklungshelfer sind hochqualifizierte und berufserfahrene  Fachkräfte. Darin unterscheidet sich die Entwicklungshilfe von den Freiwilligendiensten. In befristeten Projekten und Programmen der Entwicklungsdienste leisten sie einen bedeutenden Beitrag, die Menschen vor Ort zu schulen und darin zu helfen, eine Infrastruktur aufzubauen, die dem Land es ermöglicht, sich zukünftig selbst zu helfen.

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Es werden Fachkräfte aus nahezu allen Bereichen weltweit benötigt und eingesetzt, sowohl aus dem medizinischen wie wissenschaftlichen Bereich, aus lehrenden Berufen ebenso wie wirtschaftswissenschaftlichen sowie aus allen technischen Branchen.

Ein wesentliches Merkmal der Entwicklungshelfer ist die Tätigkeit ohne Erwerbsabsicht.

Was sind die Entwicklungsdienste?

Die Entwicklungsdienste sind Organisationen, die besondere Auflagen erfüllen, welche im so genannten Entwicklungshelfer-Gesetz festgeschrieben sind. Die Anerkennung erfolgt durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Die Aufgabe der Entwicklungsdienste besteht darin,

  • Entwicklungshelfer zu rekrutieren,
  • vorzubereiten,
  • auf Anfrage der entsprechenden Partnerorganisationen vor Ort zu entsenden und
  • auch während ihres Einsatzes zu betreuen.

Auch zeichnet sich der Entwicklungsdienst dafür verantwortlich, Entwicklungshelfern nach ihrer Rückkehr bei der Wiedereingliederung zur Seite zu stehen.

Die Entwicklungsdienste verpflichten sich ferner, Entwicklungshelfer nur in solche Projekte zu entsenden, die den Förderungsmaßnahmen der Bundesrepublik Deutschland für Entwicklungsländer entsprechen.

Derzeit besitzen in Deutschland sieben Organisationen diese staatliche Anerkennung als Entwicklungsdienst: Die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V., der Christliche Fachkräfte International e. V., die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, EIRENE – Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V., der Evangelische Entwicklungsdienst e.V., das Forum Ziviler Friedensdienst e.V. sowie der Weltfriedensdienst e.V.

Wie sieht das Arbeitsverhältnis als Entwicklungshelfer aus?

Im klassischen Sinne sind Entwicklungshelfer keine Arbeitnehmer. Laut Gesetz gelten sie als Fachkräfte, die für eine bestimmte, befristete Zeit in Entwicklungsprojekten und Programmen tätig sind, ohne dabei eine Erwerbsabsicht zu verfolgen. Konkret bedeutet dies, dass die Entwicklungshelfer kein Gehalt beziehen, sondern lediglich ein monatliches Unterhaltsgeld erhalten, das ihnen die Lebenshaltung im Einsatzort ermöglicht.

Zusätzlich erfolgt eine soziale Absicherung, sowohl für den Entwicklungshelfer, als auch für die mitgereisten Familienangehörigen. Zu diesen sozialen Leistungen gehört

  • eine Haftpflichtversicherung,
  • Krankenversicherung,
  • Rentenversicherung,
  • eine besondere Absicherung bei Gesundheitsstörungen und
  • Tod infolge typischer Risiken des Entwicklungslandes,
  • eine Absicherung für den Fall der Erwerbsminderung,
  • Berufsunfähigkeits- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung sowie
  • eine Absicherung im Todesfall.

Auch wird die Mietzahlung seitens des Entwicklungsdienstes übernommen sowie die Reisekosten. Nach Beendigung des Einsatzes erhält der Entwicklungshelfer zudem eine Wiedereingliederungsbeihilfe. Die Höhe der Unterhaltssicherung variiert je nach Entwicklungsdienst.

Welche Voraussetzungen muss ein Bewerber erfüllen?

Wie bereits beschrieben sind Entwicklungshelfer Fachkräfte. Die Anforderungen sind dementsprechend hoch. Auch wird eine einschlägige Berufserfahrung von mehreren Jahren vorausgesetzt.

Über die fachliche Qualifikation, die in der jeweiligen Stellenbeschreibung definiert wird, hinaus ist auch die persönliche Qualifikation und die Beweggründe für den Entwicklungsdienst von Wichtigkeit.

Soziales Engagement und der Wille, sich für die Entwicklung eines Landes einzusetzen sind unabdingbar, doch sollten Bewerber nicht allzu idealistisch an die Sache rangehen, sondern gesunden Realismus mitbringen. Auch darf der Entwicklungsdienst kein Flucht vor dem Alltag sein oder eine Alternative zu derzeitigem beruflichen Frust, fehlender Perspektive oder drohender Arbeitslosigkeit. Wer in der Entwicklungshilfe tätig ist, muss eine gestandene Persönlichkeit besitzen, in seinem Charakter und seinem beruflichen Status gefestigt sein und sich den Herausforderungen stellen können.

Teamfähigkeit ist eine der übergeordneten sozialen Kompetenzen, denn Entwicklungshilfe ist einzig und allein im Team möglich. Es muss dem Entwicklungshelfer zudem möglich sein, sich in die bestehenden Strukturen der Partnerorganisation einzufinden, so dass ein Hohes Maß an Flexibilität ebenfalls vorausgesetzt werden muss.

Neben der fachlichen Kompetenz muss ein Entwicklungshelfer fähig sein, sein Wissen auch anderen zu vermitteln. Einige Stellen verlangen Zusatzqualifikationen wie Managementerfahrungen, Erfahrungen im Bereich Projektleitung etc. Darüber hinaus sind gute Sprachkenntnisse – sowohl schriftlich als auch mündlich – in einer europäischen Verkehrssprache unverzichtbar.

Als interkulturelle Kompetenzen bezeichnen die Entwicklungsdienste die persönlichen Fähigkeiten, die es den Entwicklungshelfern erlauben, sich in einer fremden Kultur einzufinden. Dazu gehören

  • Anpassungsfähigkeit,
  • Offenheit,
  • Toleranz,
  • Einfühlungsvermögen und
  • Flexibilität.

Interkulturelle Erfahrungen ermöglichen es diesen Fachkräften, Grenzen übergreifend zu kommunizieren.

Zu guter Letzt muss ein Entwicklungshelfer die notwendige körperliche Eignung vorweisen können. Extreme klimatische Bedingungen sowie schlechte hygienische Verhältnisse und ungewohnte Lebensbedingungen setzen eine sowohl körperliche als auch psychische Stabilität und Resistenz voraus.

Werden Entwicklungshelfer auf ihren Dienst vorbereitet?

Selbstverständlich tragen die Entwicklungsdienste Sorge dafür, dass die Entwicklungshelfer angemessen auf ihren Einsatz vorbereitet werden. Diese Vorbereitungs- und Qualifizierungsmaßnahmen erfolgen individuell je nach Vorkenntnissen, Einsatzart und –ort.

So kann beispielsweise die Vertiefung der Kenntnisse einer europäischen Verkehrssprache Teil des Vorbereitungsprogrammes sein oder sogar – wenn nötig – auch die Vermittlung einer völlig neuen, für das Projekt notwendigen Sprache. Ebenso müssen Entwicklungshelfer intensiv auf die demografischen, gesellschaftlichen, politischen Aspekte des Landes, in das sie entsendet werden, vorbereitet werden.

Für ihre Tätigkeit ist es zudem wichtig, sich mit den sozialen und ethnischen Besonderheiten, Konflikten, Weltbildern, der Religion und den Werten des jeweiligen Landes vertraut zu machen, um sich bestmöglich zu integrieren und in die Ausgangssituation einfinden zu können.

Ferner beinhaltet die Vorbereitung der Entwicklungshelfer sowohl fachspezifische Themen, als auch Methoden und Techniken der Wissensvermittlung und Strategien zur Krisenprävention und Friedensentwicklung.

Diese Vorbereitung kann bis zu drei Monate dauern.

Was geschieht nach der Rückkehr?

Die Entwicklungsdienste lassen ihre Entwicklungshelfer auch nach ihrem mehrmonatigen Einsatz bei der Rückkehr nach Deutschland nicht im Stich, sondern leisten vielfältige Unterstützung bei der Wiedereingliederung.

Neben der finanziellen Unterstützung erfahren die Kräfte auch eine persönliche Betreuung. Da der Einsatz in einem Entwicklungsland die Persönlichkeit meistens nachhaltig verändert, fällt es vielen nicht leicht, sich in unserer Kultur zurechtzufinden. Reintegrationsseminare helfen dabei, diese eindrucksvollen Erfahrungen zu verarbeiten und für das zukünftige Leben in Deutschland zu nutzen.

Auch bei der beruflichen Reintegration helfen die Entwicklungsdienste. Das eigens hierfür gegründete Förderungswerk für rückkehrende Fachkräfte  bietet den Rückkehrern eine umfassende Berufsberatung, hilft ihnen bei der Stellensuche und vermittelt und fördert mögliche Weiterbildungsmaßnahmen.

Da die meisten ihren Auslandseinsatz als Bereicherung empfinden, wird seitens der Entwicklungsdienste viel dazu beigetragen, dass die ehemaligen Entwicklungshelfer ihre Erfahrungen mit anderen teilen und so die interkulturelle Zusammenarbeit fördern. Zusammen mit dem bundesweiten Programm „Bildung trifft Entwicklung“ werden Fortbildungen und Aktivitäten organisiert.

Wo kann ich mich als Entwicklungshelfer bewerben?

Wer die Voraussetzungen erfüllt und sich als Entwicklungshelfer bewerben möchte, findet auf der Internetseite des Arbeitskreises für Lernen und Helfen in Übersee e.V. unter www.entwicklungsdienst.de das aktuelle Stellenangebot. Die Stellenbeschreibungen und individuellen Anforderungen sind hier detailliert aufgeführt. Bei Interesse kann man sich direkt bei den zuständigen Ansprechpartnern für seinen Einsatz als Entwicklungshelfer bewerben.

Bücherempfehlungen zur Entwicklungshilfe

Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann
58 Bewertungen
Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann
  • Volker Seitz
  • Herausgeber: dtv Verlagsgesellschaft
  • Broschiert: 240 Seiten
Der Streit um die Entwicklungshilfe: Mehr tun aber das Richtige!: Mehr tun aber das Richtige!
  • Peter Niggli
  • Herausgeber: Rotpunktverlag, Zürich
  • Auflage Nr. 1 (01.04.2008)
  • Taschenbuch: 207 Seiten

Letzte Aktualisierung am 20.07.2017 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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