Selbstständig machen oder nicht?

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Kennen Sie das? Sie sitzen bereits seit Stunden über einen großen, sehr aufwendigen Auftrag und stehen kurz vorm Abschluss, als der Chef zur Tür rein kommt und Sie unterbricht. Erst drei Tage später kommen Sie wieder zu Ihrem Auftrag – nachdem Ihr Chef Sie ermahnt hat, diesen endlich zum Abschluss zu bringen. Verständlicherweise sind Sie genervt und wünschen sich zum 100. Mal, endlich eigenständig und selbstständig zu arbeiten. Was hält Sie von der Selbstverwirklichung ab?

Selbstständig oder nicht? – Vorteile und Nachteile

Selbstständigkeit

So nervtötend Vorgesetzte sein können: Das feste, monatliche Einkommen entschädigt für diesen Nachteil. Bei einer selbstständigen Tätigkeit sind Sie allein für Ihr Einkommen zuständig und Sie müssen sich selbst sozial absichern. Dazu gehört nicht nur die Krankenversicherung. Auch die Arbeitslosen-, Renten- und Sozialversicherung müssen von Ihnen allein getragen werden. Dazu kommen die oft langen Arbeitszeiten und eben auch die Möglichkeit des Scheiterns.

Andererseits können Sie Ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten und selbstbestimmt arbeiten. Sie sind unabhängig und können unter Umständen sogar ein höheres Einkommen, als bei einer Festanstellung erzielen.

Festanstellung

Bei einer Festanstellung erhalten Sie zwar ein regelmäßiges Einkommen, sind sozial abgesichert und erhalten im Krankheitsfall trotzdem Lohn. Außerdem tragen Sie weniger Verantwortung und bekommen bezahlten Urlaub.

Dafür sind Sie an einen Arbeitgeber gebunden, haben vorgeschriebene Arbeitszeiten und das Risiko einer Kündigung. In manchen Firmen sind außerdem die Gehalts- und Karrierechancen so gering, dass sich eine Anstellung nicht lohnt.

Langsam in die Selbstständigkeit

Der Schritt in die Selbstständigkeit birgt immer große Risiken. Viele Selbstständige machen sich daher aus einer Festanstellung heraus selbstständig.

Das hat den Vorteil, dass Sie trotzdem noch finanziell und sozial abgesichert sind und aus dieser Sicherheit heraus testen können, ob Ihr Angebot gut ankommt. Sollten Sie bemerken, dass Sie davon leben können, ist der nächste Schritt in die volle Selbstständigkeit nicht mehr weit.

Bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit müssen Sie – genau, wie bei der  vollen Selbstständigkeit – beim für Sie zuständigen Gewerbeamt Ihr Gewerbe anmelden. Um das Gewerbeamt müssen Sie sich nicht kümmern. In der Regel übermittelt das Gewerbeamt Ihre Daten an das Finanzamt, das dann auf Sie zukommt.

Liegt Ihr jährliches nebenberufliches Einkommen unter 17.500 Euro dürfen Sie bei Ihrer Rechnungsstellung die Kleinunternehmerregelung geltend machen. D. h. Sie sind von der Zahlung der Umsatzsteuer befreit. Allerdings dürfen Sie in Ihren Rechnungen die Umsatzsteuer nicht an Ihre Kunden weitergeben. Die Gewerbesteuer wird erst fällig, wenn Ihr Einkommen mehr als 24.500 Euro pro Jahr beträgt. Das Finanzamt prüft alle zwei Jahre, ob Sie weiterhin keine Gewerbesteuer zahlen müssen.

Kritisch sind bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit die Lohnsteuern. Wird der Freibetrag von aktuell 8.472 Euro pro Jahr (Stand: 2015) mit Ihrem Einkommen aus dem Angestellten-Verhältnis und Ihrem Einkommen aus der Selbstständigkeit überschritten, werden Lohnsteuern fällig. Das kann bei der Lohnsteuererklärung zu hohen Nachzahlungen führen.

Denken Sie auch daran, dass Sie Ihren Arbeitgeber über Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit informieren. Diese darf außerdem nicht in unmittelbarer Konkurrenz zu Ihrem Arbeitgeber stehen.

Sollte Ihre Selbstständigkeit überwiegen, können Sie sich unter Umständen von der Zahlung der Renten- und Arbeitslosenversicherungs-Beiträge befreit werden, was sich allerdings bei einer späteren Arbeitslosigkeit negativ auswirken kann.

Der Sprung ins kalte Wasser

Überlegungen zur Finanzierung

Sollten Sie sich dafür entscheiden, sich sofort selbstständig zu machen, haben Sie die Möglichkeit, sich finanzielle Unterstützung zu sichern. Das kann der Existenzgründerzuschuss der Agentur für Arbeit oder die Gründungskredite der KfW sein. Dazu gehören der ERP-Gründerkredit, ERP – Kapital für Gründung oder der universelle ERP-Gründerkredit.

Für die Genehmigung einer solchen Finanzierung benötigen Sie in jedem Fall einen Businessplan, eine Schufa-Auskunft, eine Selbstauskunft und einen Nachweis Ihres Einkommens der letzten beiden Jahre. Zusätzlich empfiehlt sich der Besuch eines Existenzgründungsseminars, der ebenfalls durch den Gründercoaching-Zuschuss der KfW finanziell unterstützt werden kann.

Gewerbeanmeldung und Krankenversicherung

Auch bei einer vollen Existenzgründung müssen Sie das künftige Gewerbe beim Gewerbeamt und beim Finanzamt anmelden. Vergessen Sie nicht Ihre soziale Absicherung. Sie sind zwar nicht dazu verpflichtet, Arbeitslosen- und Rentenversicherungsbeiträge zu zahlen, sollten die Möglichkeit aber nutzen, um später abgesichert zu sein.

Auch bei der Wahl der Krankenversicherung sollten Sie skeptisch sein. Sie haben auch als Selbstständiger oder Freiberufler die Möglichkeit, sich gesetzlich oder privat bei den Krankenkassen zu versichern. Bedenken Sie dabei, dass ein späterer Wechsel von der privaten Krankenkasse in die gesetzliche Krankenkasse kompliziert sein kann. Künstler können sich außerdem über die Künstlersozialkasse versichern, sodass sie – wie bei einem Angestellten-Verhältnis – nur noch die Hälfte des Beitrags zahlen müssen.

Marketing im eigenen Interesse

Steht die Finanzierung sollte das Marketing unbedingt in Angriff genommen werden, um Kunden zu gewinnen. Das müssen nicht immer teure Marketing-Aktionen sein.

Am Anfang genügt eine telefonische Akquise. Denken Sie daran, dass Sie unaufgefordert keine Werbeanrufe starten dürfen. Sinnvoller ist es, vorab Ihr Angebot per Post (nicht per Mail) an den jeweiligen Ansprechpartner zu schicken. Schlagen Sie gleichzeitig einen Telefontermin vor, an dem Sie Ihren potenziellen Kunden anrufen. So geben Sie ihm Zeit, sich mit Ihrem Angebot zu befassen, und überfallen ihn nicht am Telefon.

Hinweis: Telefonakquise und das Werben per Mail ist in Deutschland verboten!!

Bücherempfehlungen zur Selbstständigkeit

Selbstständigkeit wagen (Haufe TaschenGuide)
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  • Joachim S. Tanski, Andreas Schreier, Steffen Thoma, Axel Singler
  • Herausgeber: Haufe Lexware
  • Auflage Nr. 12012 (13.08.2012)
  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Das Richtige gründen. Werkzeugkasten für Unternehmer
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  • Patrick Stähler
  • Herausgeber: Murmann Verlag
  • Auflage Nr. 32017 (01.01.2017)
  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Existenzgründung für Dummies
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  • Stefanie Sammet, Stefan Schwartz
  • Herausgeber: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA
  • Auflage Nr. 3 (14.04.2016)
  • Taschenbuch: 349 Seiten

Letzte Aktualisierung am 20.07.2017 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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