Verständlich in Wissenschaft und Forschung schreiben

So manch Student saß bereits zweifelnd in einer Vorlesung oder einem Seminar, sich fragend, ob sein Intellekt nicht hoch genug sei, den Ausführungen des Professors zu folgen. Selbst der Versuch, sich das nicht Verstandene anzulesen, scheitert an den unverständlichen Formulierungen im Buch.

Der Fehler liegt dabei nur selten im mangelnden Intellekt. Vielmehr sind es die unverständlichen Formulierungen in der Fachliteratur, die schon so manchen zur Verzweiflung getrieben haben. Mit einer klaren Struktur und allgemein verständlichen Formulierungen ohne Fremdwörter würde das nicht passieren.

Der Titel – kurz, knackig, verständlich

Bereits bei der Überschrift klaffen wissenschaftliche Formulierung und Umgangssprache auseinander. Während Wissenschaftler gern weitgespannte und unverständliche Titel verwenden, spricht die allgemeinsprachliche Leserschaft auf eine klare Aussage, eine provozierende Theorie oder interessante Fragestellungen an. Der Titel muss neugierig machen. Er führt den Leser erst in den Text. Ist der Titel uninteressant, ist es auch der Inhalt, so die Denkweise manch Lesers.

Ein Beispiel für einen interessanten Titel: “Warum der Mond manchmal eine Apfelsine ist”. Dieser Titel verführt zunächst dazu, in den Text einzusteigen. Wenn dieser inhaltlich und stilistisch passt, sind die Aufmerksamkeit und das Verständnis garantiert.

Tipp: Versetzen Sie sich in den Leser rein. Vergessen Sie nicht, dass auch Ihre Überschrift verständlich sein muss. Fragen Sie sich, ob dieses Fremdwort ein allgemein bekanntes oder ein eher fachspezifisches Fremdwort ist.

Geben Sie den Titel der Sekretärin zu lesen und schauen Sie, ob die Überschrift ankommt. Seien Sie kreativ! Provozieren Sie! Seien Sie mutig und stellen Theorien auf, die zum Lesen verführen.

Klar gliedern für Struktur und Verständnis

Ebenso klar sollte die Gliederung sein. Die Gliederung ist das Gerüst des Textes und verleiht ihm eine Form.

Der Text sollte so gegliedert sein, dass er einer klaren Linie folgt. Das heißt: Titel, Zusammenfassung (Abstract), Einleitung, Methode, Ergebnisse, Diskussion und Literaturangaben.

Tipp: Erstellen Sie zuerst die Gliederung und beginnen Sie dann mit der Recherche. So haben Sie bereits eine rote Linie, mit der Sie arbeiten können.

Fachbegriffe erklären, Fremdwörter vermeiden

Wissenschaftler lieben Fremdwörter – genauso sehr, wie Fachbegriffe. Während sich Fachbegriffe nicht vermeiden lassen, müssen Fremdwörter nicht zwangsläufig in den Text eingebaut werden. Sie erschweren nur das Leser-Verständnis und unterbrechen den Leserfluss.

Fachbegriffe sollten prinzipiell über Fußnoten erklärt werden. Alternativ ist auch ein terminologisches Verzeichnis möglich.

Tipp: Auch hier sollten Sie an das Verständnis des Lesers denken. Gehen Sie davon aus, dass nicht jeder Leser dieselben Grundkenntnisse wie Sie als Wissenschaftler besitzt. Schreiben Sie so, dass es auch der Normalleser versteht.

Sind Fachbegriffe unvermeidlich, sollten diese als Fußnote oder in einem separaten Verzeichnis kurz erklärt werden. So vermeiden Sie Unverständnis und ein entnervtes Aufgeben.

Schachtelsätze sind ein absolutes No-go

Schachtel- und Bandwurm-Sätze sind eine Leidenschaft der Deutschen. Ganze Seiten werden mit einem Satz gefüllt und Satzungetüme gebaut. Während im literarischen Schreiben Schachtelsätze ohnehin tabu sind, sind sie im wissenschaftlichen und journalistischen Schreiben noch immer weit verbreitet.

Ideal ist ein Satz, der aus einem Hauptsatz und zwei Nebensätzen besteht. Die Wortzahl sollte nicht 20 Wörter übersteigen. Bei einer höheren Wortzahl steigt das Risiko es Unverständnisses.

Tipp: Überlesen Sie Ihre Sätze noch einmal. Prüfen Sie, ob Ihr Satzkonstrukt tatsächlich aus einem Hauptsatz und zwei Nebensätzen besteht. Teilen Sie im Zweifelsfall Ihre Sätze auf und zählen Sie die Wortzahl.

Seien Sie kritisch. Würden auch andere Ihre Satzkonstrukte verstehen? Wenn nicht, müssen Sie weiterfeilen.

Schreiben Sie sinnvolle Sätze

Vermeiden Sie sinnentleerte Sätze. Floskeln und Phrasen verfälschen den Sinn und flachen den Text ab. Jeder Satz sollte einen Sinn, eine Aussage enthalten.

Tipp: Verleihen Sie Ihren Sätzen einen Sinn. Prüfen Sie kritisch beim Überlesen, ob Sie leere Phrasen und Floskeln verwendet haben. Auch Füllwörter sind ein absolutes Tabu in wissenschaftlichen Texten.

Erzählen Sie Geschichten

Geschichten erzählen in wissenschaftlichen Arbeiten? Geht das? Natürlich. Auch wissenschaftliche Arbeiten profitieren vom Storytelling. Das muss nicht immer eine trockene Abhandlung sein. So kann auch das langweiligste Thema in einen interessanten Text verwandelt werden.

Tipp: Sie schreiben einen Text über einen neuartigen Neutronenstrahl-Laser? Ja, prima! Dann erzählen Sie doch eine Geschichte um die Funktionsweise des Lasers. Sie dürfen dabei ruhig kreativ sein und literarisch tätig werden. Vermeiden Sie aber bitte poetische Phrasen. Sie haben in einem wissenschaftlichen Text nichts zu suchen.

Der Test entscheidet

Verstehen alle Leser den Text oder gibt es hier Nachholbedarf? Lassen Sie Ihren Text nicht von einem anderen Wissenschaftler auf dessen Verständlichkeit prüfen. Er schwebt in denselben Sphären, wie der Schreiber selbst, und kann nicht abschätzen, ob der Text auch für Nicht-Wissenschaftler verständlich ist.

Sinnvoller ist es, den Text von einem völlig Fachfremden lesen zu lassen. Dieser benötigt nicht zwangsläufig redaktionelle Kenntnisse. Einzig das Verständnis zählt.

Fragen Sie doch Ihre Sekretärin oder den Wirt Ihrer Lieblingskneipe nach der Verständlichkeit Ihres Textes. Nehmen Sie die Einwände des Lesers ernst. Dementsprechend sollten Sie Ihren Text umändern und demjenigen noch einmal zu lesen geben. Erst, wenn er diesen Text wirklich versteht, sollte er veröffentlicht werden.

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