Wenn die Arbeit zum Frust wird

Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit – der Weg in die Selbstständigkeit
Das Geheimnis des Erfolgs

Jeder Zweite ist mit seinem Job unzufrieden

Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov, die im Auftrag des Personaldienstleistungsunternehmens Manpower durchgeführt wurde, beschäftigt derzeit sämtliche Medien. Im Rahmen dieser Studie, in der insgesamt 684 volljährige Arbeitnehmer zu ihrer Zufriedenheit hinsichtlich ihrer derzeitigen Arbeitsstelle befragt wurden, stellte sich heraus: Beinahe jeder Zweite in Deutschland ist unzufrieden mit seinem Job.

Unzufriedenheit auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Die Zahlen stimmen nachdenklich. Der Umfrage zufolge geht jeden Morgen 48 % aller Berufstätigen ungern zur Arbeit. Weniger als ein Drittel gab an, dass sie ihren Freunden empfehlen würden, ebenfalls bei ihrem Arbeitgeber anzufangen. Ein Viertel der Arbeitnehmer hat innerlich bereits gekündigt und erledigt seinen Job weniger als halbherzig. 43 % sagten aus, noch in diesem Jahr ihren Arbeitsplatz wechseln zu wollen. Die übrigen 5 % der Unzufriedenen geben sich mit ihrer Situation zufrieden. Vorerst.

Unsicherheit schafft Unzufriedenheit

Die Zeiten, in denen Arbeitsstellen über Jahrzehnte gesichert waren, sind längst vorüber. Heute müssen die meisten um ihren Job bangen. Allerorts drohen Entlassungen und Sparmaßnahmen. Und selbst wenn es einem Arbeitnehmer gelingt, sich auf seiner Position zu halten, ist es nicht sichergestellt, dass das Unternehmen eine längere Zeit besteht, ohne zu fusionieren, aufgekauft zu werden oder Konkurs anzumelden.

Zudem zeigen die aktuellen Statistiken, dass Teilzeitstellen zunehmen, ebenso wie befristete Arbeitsverträge und Mitarbeiter, die im Rahmen des Mitarbeiterüberlassungsgesetzes für die Unternehmen tätig werden – im Allgemeinen besser bekannt als Zeitarbeiter. Die damit verbundene Unsicherheit und die fehlende Identifikation mit dem Unternehmen führen zu Frust und mangelnder Motivation.

Hinzu kommt schließlich Resignation darüber, dass es in anderen Unternehmen auch nicht besser aussieht. Und so unzufrieden der Arbeitnehmer in seiner derzeitigen Stelle auch sein mag, er entscheidet sich eher für den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach – er verharrt in einer ungeliebten Position ehe er zu einer Stelle wechselt, die noch weniger Sicherheiten bietet.

Schlechte Bezahlung als Kündigungsgrund

Mit Abstand am häufigsten genannter Grund für die Unzufriedenheit der deutschen Arbeitnehmer ist die Bezahlung. Insgesamt 24 % gab an, zu wenig zu verdienen. Dieser Punkt hat durchaus seine Berechtigung.

Das durchschnittliche Einkommen in Deutschland liegt bei etwa 2.000,- € netto. Doch dieser Wert ist verzerrt, denn wenige Vielverdiener heben den Durchschnitt auf ein wenig repräsentatives Niveau. Dem gegenüber stehen zahlreiche Berufsgruppen, die deutlich unterbezahlt werden. Aktuelle Streiks beweisen, dass besonders in erziehenden und pflegenden Berufen wie auch in zahlreichen Berufen der Dienstleistungsbranche die Gehälter kaum zum Leben reichen.

Die Tendenz geht demzufolge immer mehr zum Zweit- oder gar Drittjob. Arbeitnehmer, die aus bloßen Existenzängsten heraus zu der eigentlichen Arbeitsstelle noch ein bis zwei geringfügig entlohnte Beschäftigungen annehmen, können nur noch wenig Motivation und Freude bei der Arbeit entwickeln.

Der Fluch der Globalisierung

Globalisierung bedeutet Aufschwung und Bewegung, in der Realität jedoch auch enormen Druck. Die Unternehmen sehen sich zahlreicher Konkurrenz aus dem Ausland gegenüber, die billiger oder effektiver produzieren. Konkurrenz belebt das Geschäft, doch sie verlangt Opfer. Um dem globalen Druck standhalten zu können, gehen Unternehmen an ihre Grenzen und darüber hinaus.

Arbeitsabläufe werden optimiert, Sparmaßnahmen durchgeführt, der Druck an die Arbeitnehmer weitergegeben. Die Devise lautet: Jeder einzelne muss immer mehr leisten in immer kürzerer Zeit. Moderne Methoden ermöglichen es den Arbeitgebern, ihre Mitarbeiter umfassend und zu überwachen und zu kontrollieren. Die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren mit fragwürdigen Bespitzelungsmethoden in die Schlagzeilen wanderten, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Dazu verlangen neue Technologien auch hundertprozentige Erreichbarkeit und Transparenz.

Waren früher noch Acht-Stunden-Tage, kurze Freitage und freie Wochenenden eine Selbstverständlichkeit, erwartet der Markt in immer mehr Berufsgruppen 24stündgen Einsatz. Wurden Geschäftsgespräche ausschließlich in der Arbeitszeit geführt, scheuen sich Kollegen und Vorgesetzte heute nicht mehr davor, auch an Abenden und Wochenenden die Mitarbeiter über die Mobiltelefone zu kontaktieren.

War es in früheren Zeiten normal, dass ein Brief auf dem Postweg einige Tage unterwegs war und somit Sachverhalte nur über einen Zeitraum von mehreren Tagen abtgewickelt werden konnten, weckt das Zeitalter der E-Mails und Telefonkonferenzen die Erwartungshaltung, dass jeder zu jeder Zeit erreichbar ist und sich dem Thema annimmt.

Das Unwohlsein wächst

Die Anforderungen steigen, doch die Arbeitnehmer profitieren von dieser Situation immer weniger. So gab rund 15 % der Befragten an, sich grundsätzlich mehr Anerkennung für ihre Arbeit zu wünschen. Lob, eine wichtige Geste der Zwischenmenschlichkeit, scheint seltener zu werden. Aber auch die übrigen Faktoren, die dazu beitragen, dass sich Menschen an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, fallen dem steten Leistungsdruck zum Opfer. 11 % aller Befragten haben schlichtweg keinen Spaß an der Tätigkeit, die sie ausüben. 10 % empfindet die Tätigkeit als eintönig und wünscht sich mehr Abwechslung. Ebenfalls 10 % leidet unter dem schlechten Betriebsklima, was aufgrund des Konkurrenzdrucks und der allgemeinen Unzufriedenheit wenig verwunderlich ist.

Geänderte Erwartungshaltung durch gesellschaftlichen Wandel

Unsere Gesellschaft hat sich verändert. Das klassische Bild einer Familie, in der der Mann seiner geregelten Arbeit nachgeht und die Familie ernährt, die sich in der Zwischenzeit um Haus, Hof und Kinder kümmert, ist nicht mehr realitätsnah. Frauen kämpfen heute darum, Beruf und Familie in Einklang zu bringen, Väter versuchen sich am Balanceakt zwischen Kindererziehung und Karriere, der Bedarf an

  • flexiblen Arbeitszeiten,
  • Teilzeitstellen,
  • Jobsharing und
  • Home Office Lösungen

wächst.  Die persönlichen Bedürfnisse der Arbeitnehmer und die gesteigerten Anforderungen der Unternehmen führen zu einer regelrechten Jobschere. Die Erwartungen auf beiden Seiten driften auseinander.

Folgen für beide Seiten

Die Folgen des beschriebenen Szenarios sind auf beiden Seiten – sowohl auf Seiten der Arbeitgeber als auch auf der der Arbeitnehmer spürbar. Unternehmen kämpfen mit Mitarbeitern, denen es zunehmend an Motivation mangelt. Wer unzufrieden ist und sich mit seiner Stelle nicht identifizieren kann, zeigt auch unzureichende Leistung. Zudem führen Entlassungen und Kündigungen seitens der Arbeitnehmer zu einer Unbeständigkeit, die sich Unternehmen gerade aufgrund des Erfolgsdruckes kaum leisten können. Neue Mitarbeiter einzuarbeiten kostet Energie und Geld. Unterm Strich leiden Arbeitsqualität und Glaubwürdigkeit des Unternehmens.

Auf der anderen Seiten sehen wir uns mit einer Generation von Arbeitnehmern konfrontiert, die unter der neuen Volkskrankheit Burn Out zu zerbrechen droht.

Es ist also Zeit umzudenken. Auf beiden Seiten.

Lösungsansätze

Einige Unternehmen haben bereits begonnen umzudenken. Ständiger Personalwechsel hat sich als nachteilig erwiesen, so dass Personalplaner auf langfristigere Lösungen hinarbeiten. Mitarbeiter sollen wieder mit attraktiven Arbeitsbedingungen an das Unternehmen gebunden werden. Viele bieten so genannte Gesundheits-Workshops an, um das Wohlbefinden zu steigern und Burn Out zu bekämpfen, im besten Fall es gar nicht so weit kommen zu lassen.

Aber auch der Arbeitnehmer muss in die Verantwortung genommen werden. Jeder einzelne muss Grenzen setzen und wieder lernen, sich aus dem Alltagsstress heraus zu nehmen. Neue Seminare lehren, wie der Berufsalltag strukturiert werden, wie Überstunden vermieden und der eigenen Drang nach Perfektionismus überwunden werden kann.

Die Zufriedenheit der Mitarbeiter trägt maßgeblich zum Unternehmenserfolg bei. Dies zu erkennen und zeitgemäße Lösungen zu finden, ist Aufgabe von Arbeitgebern und Politik.

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Letzte Aktualisierung am 20.07.2017 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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