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Mehr als Kaffee kochen

"Praktika sind mindestens genauso wichtig wie ein gutes Diplom", weiß Heike Reiß-Ekelund. Sie ist bei der Deutschen Bank zuständig für die Betreuung von Praktikanten. Wer sich dort für einen Job bewirbt, sollte neben gute Noten, Sprach- und EDV-Kenntnisse einige Praxiserfahrungen mitbringen. Wem sie fehlen, der hat deutlich schlechtere Karten, geben die Personaler zu. "Schlechte Noten können durch viele Praktika natürlich nicht völlig kompensiert werden", sagt Claudia Maasen, die bei Henkel im Bereich Personalentwicklung arbeitet, "aber bei mehreren Bewerbern mit gleichen durchschnittlichen Noten bekommen Bewerber mit guten Praktika den Vorzug." Wie wichtig praktische Erfahrungen neben dem theoretischen Wissen von der Universität sind, sieht man schon daran, dass mittlerweile an vielen Hochschulen Pflichtpraktika mit ins Programm gehören. An Fachhochschulen sind Praxissemester längst ein fester Bestandteil der Ausbildung. Die Praktikanten können so ihre Fachkenntnisse vertiefen und ihr theoretisches Wissen von der Uni anwenden. "Außerdem lernt man erst bei einem Praktikum, wie ein Unternehmen tickt und wie die Abläufe tatsächlich sind", erklärt die Personalreferentin Reiß-Ekelund. Neben den fachlichen Kenntnissen können Praktikanten auch ihre so genannten "soft skills" ausbauen. Dazu zählen vor allem Team- und Kommunikationsfähigkeit. Doch auch hierbei gilt: Praktikum ist nicht gleich Praktikum. "Die Studenten sollten mindestes zwölf Wochen bei dem Unternehmen arbeiten", rät Claudia Maasen von der Henkel-Personalentwicklung. Wer nur wenige Wochen bleibt, hat keine Chance ein Projekt von Anfang bis Ende zu begleiten - und genau das macht ein gutes Praktikum aus.

Im besten Fall betreut der Praktikant eigenverantwortlich oder in einem Team eine bestimme Aufgabe. So lief es auch bei Vanessa Stötzle. Bei Escada arbeitete sie drei Monate in der Abteilung für Marketing. "Schon nach ein paar Tagen bekam ich mein eigenes Projekt. Das war optimal, denn so konnte ich selbständig arbeiten und wirklich etwas beitragen", erzählt die Kölner Studentin. Und wenn sie Hilfe brauchte, konnte sie immer noch ihre Kollegen fragen. Viele private Hochschulen stellen ihre Studenten für einige Semester frei, damit sie Praktika machen können. An den öffentlichen Universitäten ist das bisher kaum der Fall. Ein Nachteil ist das nicht: "Wer wegen eines guten Praktikums ein paar Semester länger studiert, hat bessere Chancen auf einen Job, als Studenten, die sehr schnell studiert haben aber keine Praxiserfahrung mitbringen", sagt Claudia Maasen von Henkel. Natürlich kommt es dabei darauf an, was man macht. Kopieren und Kaffee kochen sind keine relevanten Praxiserfahrungen. Ein Praktikant sollte am Tagesgeschäft einer Abteilung teilnehmen, um alle Abläufe kennen zu lernen. "Zwar habe ich bei Escada auch mal kopiert oder für Kollegen einige Arbeiten übernommen, wenn viel los war - das finde ich aber selbstverständlich", sagt Vanessa Stötzle. Dennoch hat sie sehr viel gelernt, weil sie gleich in die Abteilung integriert wurde. "Schon am ersten Tag wurde ich zu einem wichtigen Termin mitgenommen.

Das fand ich schon ungewöhnlich", erinnert sie sich. Nicht nur für den Lebenslauf sind Praktika wichtig. Studenten können bei der praktischen Arbeit im Unternehmen ebenso feststellen, ob sie die nötigen Fähigkeiten für den angestrebten Job tatsächlich schon alle mitbringen und ob ihnen bestimmte Aufgaben Spaß machen. Das kann Alexander Wellhöfer nur bestätigen. Im neunten Semester seines Betriebwirtschafts-Studiums absolvierte er vier Monate lang ein Praktikum bei der Unternehmensberatung McKinsey & Company. Diese lange Zeit war wichtig: "Die ersten zwei Monate braucht man schon, um sich auf die neuen Aufgaben und das Umfeld einzustellen. Im dritten Monat kann man dann zeigen, was man drauf hat", so Wellhöfer, der immerhin gleich nach Abschluss des Praktikums ein Jobangebot in der Tasche hatte... Am Ende des Praktikums - egal, ob es im Ausland oder in Deutschland absolviert wurde - sollte das Unternehmen ein Zeugnis ausstellen. Dieses sollte neben einer Beurteilung des Engagements, der praktischen Fähigkeiten und des Sozialverhaltens einen so genannten Tätigkeitsbericht enthalten. Es ist sinnvoll, dass sich der Praktikant schon während seiner Zeit im Unternehmen Notizen dazu macht, welche Aufgaben ihm übertragen wurden und für welche Projekte er eingesetzt wurde. Auch Kleinigkeiten wie die Korrespondenz mit Werbeagenturen oder die Mitarbeit an einer Präsentation sollten mitaufgeführt werden. Einziger Haken: Viele Unternehmen stellen nur Studenten mit einem abgeschlossenen Grundstudium für ein Praktikum ein. "Ohne das nötige Hintergrundwissen aus den Vorlesungen ist ein qualitativ hochwertiges Praktikum kaum möglich", erklärt Personalexpertin Maasen. Trotzdem macht es Sinn, schon vor dem Hauptstudium Praxiserfahrungen zu sammeln. Dies kann man zum Beispiel durch Aushilfstätigkeiten, einen Job bei einer Studenteninitiative oder einem Praktikum bei einem kleiner Unternehmen tun. "Und das hilft dann wieder bei der Bewerbung fürs Praktikum."